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Biografisches Schreiben, Journaling und Schreibtherapie

Tagebuch schreiben versus Journaling

Was du für welches Ziel besser nutzen kannst

Egal ob für therapeutisches Schreiben, biografisches Schreiben oder wild hingekritzelte Notizen: Um über sich selbst zu schreiben, kannst du verschiedene Formate nutzen. Du kannst ein Journal führen oder in dein Tagebuch schreiben. Aber welches ist besser geeignet für dich? Und wo liegen die Unterschiede?

 Lange Zeit dachte ich, dass Journaling das Selbe ist, wie Tagebuch schreiben. Ich dachte, es sei ledigliche ein Denglisieren, also die Übernahme eines englischen Begriffes in die deutsche Sprache. Ich mag Wörter, egal aus welcher Sprache, und benutzte beide Wörter verlgeichsweise wahllos.

Mittlerweile weiß ich:

Es werden Unterschiede gemacht zwischen den einzelnen Methoden, vor allem im Bezug auf das Ziel, das beim Schreiben verfolgt wird.

Aber fangen wir mit den Gemeinsamkeiten an:

Das Schreiben über dich selbst, egal ob im Tagebuch oder im Journal, dient der Innenschau und der Selbsterkenntnis. Was heißt das genau?

Stell dir Schreiben vor wie einen vierstelligen Zahlencode, mit dem du ein Schloss öffnest. Dafür musst du eine Zahl nach der anderen eindrehen, bis es zu dem ‚Klick‘ kommt und das Schloss sich öffnet. Während du schreibst, drehst du an einem Rädchen nach dem nächsten und näherst dich somit zunehmend dem entscheidenden Moment: der Erkenntnis über etwas, was du nicht verstanden hast. Das kann ein Gefühl sein, das dich unbewusst belastet hat. Oder ein altes Muster, dem du immer und immer wieder gefolgt bist aufgrund eines lästigen Glaubenssatzes.

Das Schreiben über dich selbst hat dich dem Öffnen des Schlosses näher gebracht. Es hat dir Zugang erschafft zu deiner inneren Weisheit.
Schreiben verbindet dich mit dem Teil in dir, der die Antworten hat. Es verbindet dich mit deiner inneren Stimme.

 

Wozu dient das Tagebuch schreiben?

Das Tagebuch ist die klassischste und bekanntestes Form, um über sich selbst zu schreiben. Das Schreiben im Tagebuch verfolgt keinen Plan. Du kennst es von klein auf, es hat dich begleitet, war deine Freundin, dein seelischer Mülleimer, dein zweites Ich, mit dem du Zwiegespräch führst.

Im Tagebuch kannst du Erinnerungen festhalten, manchmal strukturiert, manchmal blitzlichtartig. Das Tagebuch ist ein/e Begleiter/in, der/die sich nicht beschwert wenn du dich monatelang nicht meldest und geduldig zuhörst, wenn du es wieder tust.
Das Tagebuch ist deine Erinnerungshilfe. Es fällt dir Jahrzehnte später in die Hände, du liest es durch und schmunzelst. War ich damals wirklich so naiv? Unglaublich, worüber ich mich aufgeregt habe… und irgendwie doch ganz schön reflektiert war…

Das Tagebuch kann dir im Rückblick helfen, Dinge besser zu verstehen. Es ist eine Grundlage für biografische Texte. Es ist dein persönliches Lebenslexikon.

Um das besser zu nutzen, kannst du dem Tagebuch eine Struktur geben und diverse Techniken benutzen. 

Nutze dein Tagebuch, um:

  1. Ereignisse zu beschreiben, die dir wichtig sind. Benutze dabei möglichst viele Details. Wir glauben oft, dass wir uns an Erlebnisse sowieso gut erinnern. Das ist ein Trugschluss. Erinnerungen verändern sich, vor allem die an bestimmte Details.
  2. Entscheidungen festzuhalten, die du getroffen hast. Besonders interessant ist es, die Beweggründe dafür auzuschreiben. Was waren deine Pros und Contras? Oder ist es einfach nur eine Bauchentscheidung?
  3. deine Haltung zu Ereignissen in deinem persönlichen Leben klarzumachen. Was denkst du wirklich über deinen Chef, deine Arbeit, deine Kollegen. Wie stehst du zu deinem/deiner Partner/in? Was sind die heimlichen Gedanken, die du niemanden erzählst?
  4. deine Haltung zum Zeitgeschehen festzuhalten. Wir sind alle Zeitzeugen des politischen und gesellschaftlichen Lebens. Du hast eine Meinung und eine Stimme zu den Geschehnissen. Halte sie fest – und sei es nur für dich selbst. Vielleicht wirst du später drauf zurückschauen und den Kopf schütteln. Oder du wirst stolz auf dich sein. So oder so: es ist spannend, im Nachhinein darauf zurückzublicken. 

Wozu dient das Journaling?

Journaling wird eng mit der Persönlichkeitsentwicklung in Verbindung gebracht. Es ist strukturierter und zielgerichteter als das Tagebuch – sozusagen das Tagebuch für Ehrgeizige.
Während das Tagebuch gerne noch mit von Liebeskummer geplagten Teenagern in Verbindung gebracht wird (zu Unrecht!),  hat der Begriff des Journaling im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung Einzug erhalten.

Beim Tagebuch schreiben steht das Ergebnis nicht fest. Das Journaling hingegen ist eine aktivere Form des Schreibens über sich selbst und beinhaltet oft zielgerichtete Übungen und Aufgaben. 

Das Journal gibt dir neue Erkenntnisse und Perspektiven. Deine Einträge darin beschäftigen sich mehr mit dem ‚wie‘ als mit dem ‚was‘.
Nicht was ist geschehen, sondern wie habe ich mich dabei gefühlt? Welche Gefühlsschichten liegen hinter oder besser gesagt unter einem Ereignis? Welche Schichten an Gedanken und Glaubenssätzen liegen darunter?

Das Journal hat es in vielen verschiedenen Versionen in die heutigen Buchläden geschafft. Es gibt das 5-Minuten Journal (und das 6-Minuten Journal!), das Traum-Journal, das Dankbarkeitsjournal, das Erfolgsjournal, das Therapie-Begleit-Journal, das sehr in den Trend gekommene Bullet Journal und neulich bin ich sogar über Bibel-Journaling gestolpert etc… Das Journal verfolgt ein Ziel. Es will dich von A nach B bringen. Es hilft dir, gezielt an bestimmten Bereichen deines Lebens zu arbeiten und sie zu verbessern.

Nutze dein Journal z.b., um:

  1. …dir deine Ziele klar zu machen und dich immer wieder auf sie zu fokussieren. Dir im Leben Ziele zu setzen, kann wichtig sein. Meine Erfahrung zeigt, dass es manchmal weniger darum geht, diese Ziele auch tatsächlich zu erreichen, als darum, überhaupt eine Richtung einzuschlagen. Es brauch Klarheit, um ein Ziel zu definieren, aber ein Ziel zu haben kann dir wiederum Klarheit bringen!
  2. …gezielt mit Gefühlen und Gedanken zu arbeiten, die dich belasten. Schreiben hilft dir, die Gefühle wahrzunehmen, ihnen einen Raum und eine Grenze zu geben, dich im Anschluss von ihnen zu distanzieren und sie am Ende loszulassen. 
  3. …dir Fragen als Schreib- und Denkanreiz zu stellen. Die richtigen Fragen zu stellen, kann wichtiger sein, als die Antworten zu finden. Beispiele für Fragen findest du in meinem Artikel: ‚Wie du ganz einfach mit dem therapeutischen Schreiben startest, auch wenn du keine Schreiberfahrung hast‘
  4. …Detektivarbeit zu leisten und Glaubenssätze und undienliche Gedanken  zu entlarven. Du hast vielleicht schon davon gehört, dass vieles in unserem Handeln (wenn nicht sogar alles!) von unseren Glaubenssätzen bestimmt wird. Wenn man überlegt, dass unsere Handlungen die Dinge beeinflussen, die uns zustoßen, wird einem umsomehr die Wichtigkeit bewusst, die Kontrolle über die eigenen Glaubenssätze zu erlangen. Journaling ist ein super Mittel, um wie ein Detektiv Schicht für Schicht abzutragen, um den Verursachern deines Leides auf die Spur zu kommen.
  5. …in den Kontakt zu treten mit inneren Anteilen in dir und herauszufinden, was sie von dir wollen. Für mich persönlich ist dies die wichtigste Funktion vom Journaling. In einer Welt, in der im Sekundentakt immer neue Informationen auf mich einprasseln, ist es mir wahnsinnig wichtig, mit mir selbst und meiner eigenen Weisheit im Kontakt zu bleiben. Meine Antworten auf Fragen finde ich grundsätzlich beim Schreiben. Wenn ich nicht weiß, was ich tun soll – schreibe ich. Wenn ich im Zwiespalt bin und widersprüchliche Gefühle in mir spüre – schreibe ich.  
    Weil ich diese Fähigkeit des Journalings so unglaublich wichtig finde, habe ich ein kleines Workbook erstellt mit den drei Schreibimpulsen, die ich dafür benutze, meine Antworten von meiner inneren Stimme zu erhalten. Gerne teile ich diese Übungen mit dir, damit du sie für dein Journaling benutzen kannst.Lade dir dafür hier mein kostenloses Workbook runter!

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Während dein Tagebuch sich viel mit dem ‚was ist passiert‘ beschäftigt, geht es in deinem Journal vor allem um das ‚warum‘. Ich selbst benutze beides gerne. Natürlich sind die Übergänge fließend und beim Aufschreiben meiner Erlebnisse im Tagebuch kommt es oft zu Erkenntnissen und Gefühlsverarbeitungen, die ich dann gleich mitnotiere. Das Tagebuch nutze ich vor allem als Rohmaterial für meine späteren biografischen Texte.

Am Ende ist es egal in welches Heft oder Buch, auf welchen Notiz – oder Collegeblock du schreibst. Wichtig ist, dass du über dich selbst schreibst! Denn nur so wirst du zum Drehbuchautor deines eigenen Lebens!

Trete in den Kontakt mit deiner inneren Stimme und lade dir somit mehr Klarheit und Verständnis für das, was dir im Leben passiert, ein.
 Lade dir dafür mein kostenloses Workbook runter und erhalte drei Schreibimpulse, die dich garantiert deiner inneren Weisheit näher bringen.

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