5 Schritte - 5 Schreibübungen

So schaffst du es, das Gefühl der Angst zu überwinden

Kaum ein anderes Gefühl, wirkt sich so schnell lähmend auf den gesamten Körper und die Psyche aus, wie Angst. Angst zu überwinden gehört beim Umgang mit negativen Gefühlen zur Königsdispziplin.

Es braucht Mut, um die Angst zu überwinden und das alleine ist schon paradox.  

Aber was ist Angst?

Angst ist ein Gefühl. Nicht mehr und nicht weniger.

Das ist beängstigend, da du vielleicht denkst, Gefühle kann man nicht kontrollieren.
Es kann aber auch helfen, wenn man folgendes bedenkt:

Gefühle entstehen in uns. Sie sind ein Teil von uns. Biochemisch betrachtet, sind sie nichts anderes, als ein Hormoncocktail. Dennoch messen wir unseren Gefühlen ganz schön viel Bedeutung zu.
Und glauben oft, wir seien ihnen hilflos ausgeliefert. Es hilft, sich einmal folgendes bewusst zu machen:

DU bist es, der/die dieses Gefühl fühlt. DU bist es, dessen Körper Hormone produziert. DU bist es, der/die auf Situationen reagiert, die Gefühle hervorrufen.

Also bist DU es auch, der/die dieses Gefühl kontrollieren kann. Lies dazu auch meinen Blogbeitrag:
Wer ist hier der Boss? Warum dir Schreiben Erleichterung bringt im Umgang mit schwierigen Gefühlen

Die folgenden, aufeinander aufbauenden, Schreibübungen beschreiben einen Prozess in 5 Schritten.  Er hilft dir dabei, schreibend deine Angst zu verstehen und deine Angst zu überwinden.

Schritte, die dir helfen, schreibend deine Angst zu überwinden

Schritt 1: Entscheidung

Warum ist es wichtig?

Am Anfang jeder Tat steht eine Entscheidung.

Das ist für dich wichtig, wenn es darum geht, deine Angst zu überwinden.

Deine Angst zieht dich sehr stark in den Bann.  Sie übt einen Sog auf dich aus, der dich manchmal sogar vergessen lässt, dass du aktiv etwas gegen sie tun kannst.  

Das ist der Moment, wo du dich entscheiden kannst. Möchtest du der Angst nachgeben, oder möchtest du bewusst dagegen ansteuern?

Sich zu entscheiden, dass man etwas gegen die Angst tun will in dem Moment, ist ein elementarer Schritt. Ohne ihn passiert es allzuoft, dass du dich deiner Verantwortung entziehst, mit deinen Gefühlen zu arbeiten.

➡️So geht es:

Schreibe zehn Mal den folgenden Satz untereinander:

Ich entscheide mich, die Angst vor _____ zu überwinden.

Beobachte dich während des Schreibens selbst. Macht es etwas mit dir, diese Worte geschrieben zu sehen?
Fühlst du sie, oder schreibst du sie nur?

Wenn es dir noch schwer fällt, diesen Satz zu fühlen, schreibe ihn zehn weitere Male drunter.

Der zweite Schritt: Raum geben

Warum ist das wichtig?

In der zweiten Übung geht es darum, deinem Gefühl der Angst ausreichend Raum zu geben.

Du kannst mit einem Gefühl erst dann umgehen, wenn du es vollkommen begriffen und akzeptiert hast.

Oft passiert es, dass wir unsere Gefühle nicht sehen wollen. Das wird von folgenden Sätzen im Kopf begleitet:
Es ist ja bescheuert, sich so zu fühlen.“  „Es gibt keinen Grund, sich so zu fühlen.“ Oder: „Ich weiß, dass ich nicht so fühlen sollte.“

 

Solche Gedanken führen lediglich dazu, dass du nicht nur Angst hast, sondern dich auch noch zusätzlich schlecht fühlst, weil du Angst hast.

Um dem zu begegnen, darfst du in dieser Übung deine Gefühle voll uns ganz ausleben. Das hilft dir außerdem bei der Wahrnehmung dessen, was überhaupt da ist. Ist es nur Angst? Mischt da noch etwas anderes rein?
Gehe auf die Suche und sei neugierig.

 So geht es:

Setze dich hin, nimm dir Block und Papier und schreibe zehn Minuten darüber, wovor du Angst hast.

Schreibe auch darüber, was die Angst mit dir macht.

Sei dabei sehr ehrlich zu dir selbst. Lass deinen Kritiker und deine ‚ich sollte das so nicht schreiben‘- Sätze weg und schreib alles, was dir in den Kopf kommt. Falls es dir schwer fällt, den inneren Kritiker wegzulassen, schreibe alle Sätze auf, die er dir sagt. Kehre dann wieder zur Angst zurück.

 

Der dritte Schritt: Übertreiben

Warum ist es wichtig?

Diese Übung mag dir seltsam vorkommen. Sie ist jedoch ausgesprochen effektiv. Das Prinzip, auf dem sie fußt, nenne ich gerne das Harry Potter Prinzip.

In der Harry Potter Buchreihe gibt es einen Zauberspruch, der sich ‚Ridiculous‘ nennt. Er zieht das, wovor du Angst hast, ins Lächerliche.
Das ist eine unglaublich wirksame Methode.

Etwas, das lächerlich ist, kann uns keine Angst mehr einjagen. Es verliert seinen Schrecken – und bringt uns ganz nebenbei ordentlich zum Lachen, was alleine schon ein ausgezeichneter Angstkiller ist.

In dieser Übung wirst du deine Gefühle – deine Angst – übertreiben.

➡️So geht es:

Schreibe dafür in theatralischen, dramatisierenden Sätzen über das, wovor du Angst hast .

Benutze Sätze wie z.B.:

Ich habe so fürchterliche Angst, das glaubt man ja gar nicht… soooo schlimm ist das…
Es ist ja so furchtbar, dass…
Mir geht es ganz hundsmiserabel damit, dass…

Das fühlt sich so schrecklich an…

Stelle dir vor, du wärst eine Dramaqueen. Das kann helfen.
Wenn du dich traust, geh noch ein bisschen weiter. Erfinde eine Arie. (Sing eine Arie!) Schreibe den Text dazu auf.
Werde zur Operndiva.

Achtung: Diese Übung ist nicht ganz einfach.
Angst hasst es, nicht ernst genommen zu werden. Du wirst erleben, dass ein Teil von dir sich extrem beschwert. Du wirst Widerstände spüren, weil etwas in dir sich nicht ernst genommen fühlt.
Versuche da drüber zu gehen. Das bist nicht du, die da spricht. Es ist lediglich ein Anteil von dir, der sieht, wie seine Felle wegschwimmen.

Der vierte Schritt: Formgebung

Warum ist es wichtig?

Du hast angefangen, den Spieß umzudrehen, indem du die Angst ins Lächerliche gezogen hast.
Spiel jetzt weiter.

Du kannst ihr im nächsten Schritt weitere Formen verpassen.

Denn nur, was Grenzen hat, kann von uns in der ganzen Fülle wahrgenommen werden.

Und du willst ja schließlich nicht nur einen kleine Teil der Angst überwinden, sondern alles.

➡️So geht es:

Schau dir nochmal deinen ersten Text an.
Verpacke den Text in eine Form. Spiel damit.

Versuche es z.B. mit einem Elfchen. (s. Abbildung)

Das ist sehr prägnant und sehr kurz. Solltest du das Gefühl haben, es wird deiner Angst nicht gerecht, dann schreibe fünf weitere Elfchen über sie.

Alternativ zum Elfchen kannst du auch eine kleine Kurzgeschichte über deine Angst schreiben. Stell dir vor, sie hätte einen Namen, eine Farbe, ein Aussehen. Beschreibe einen Tag im Leben deiner Angst.

Es ist egal, welche Textform du deiner Angst gibst. Wichtig ist, dass du deinem bisher lose geschriebenen Sätzen über sie ein feste Form gibst.

Der fünfte Schritt: Verständnis

Warum ist es wichtig?

Dieser letzte Schritt rundet nochmal alles bisher Geschriebene
über deine Angst ab.
Es ist ein kleiner, aber ungemein bedeutungsvoller Schritt.

Es macht dir ein letztes Mal bewusst, dass du in der Verantwortung bist, mit deiner Angst umzugehen und nicht umgekehrt.

Und dass DU die Kraft dazu hast.

 ➡️So geht es:

Schau dir deine bisher geschriebenen Sätze über die Angst an. Mache dir bewusst, dass deine Angst, die dich vorher so blockiert hat, jetzt schwarz auf weiß, ins Lächerliche gezogen, in eine Form gepackt und entlarvt, vor dir liegt.  

Schreibe zum Abschluss folgende Sätze auf:

Ich sehe meine Angst. Das ist meine Angst. Das bin nicht ich. Meine Angst ist
nur ein kleiner Teil von mir. Ich bin größer, als meine Angst.

Schreibe sie wie ein Mantra auf, mehrere Male, sich wiederholend. Schreibe sie bis du das Gefühl hast, dass du sie langsam aber sicher begreifst.

Zusammenfassung:

Du hast nun auf verschiedene Arten mit der Angst gearbeitet.
Du hast sie ausgelebt, hast sie in verschiedene Formen gepackt. Du hast dich über sie lustig gemacht.

 Idealerweise bist du zu der folgenden Erkenntnis gekommen:

Du kannst mit dem Gefühl der Angst arbeiten. Es ist keine unveränderbare Tatsache, dass du Angst hast und dass sie dich im Griff hat. Du kannst die Kontrolle wiedererlangen und dabei sehr kreativ mit der Angst umgehen. Du kannst lernen, die Angst zu überwinden.

 

Ich biete zum Thema ‚Umgang mit negativen Gefühlen‘ einen 3-stündigen 1:1 Intensiv-Workshop an. Falls du mehr darüber wissen willst, meld dich bei mir für ein kostenloses Erstgespräch!

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