5 Gründe, warum du im Urlaub unbedingt ein Reisetagebuch führen solltest

 

Rainer-Maria Rilke, Lou-Andreas Salomé, Charles Darwin – sie alle haben es getan. Sie haben bei ihren Erkundungen der Welt ein Reisetagebuch geführt.
Ein Trend, der auch in der heutigen Zeit sehr beliebt ist.
Die Buchhandlungen sind voll mit Reiseberichten und veröffentlichten Reisetagebüchern, sowohl von erfahrenen Autoren als auch von Erstveröffentlichern. Wer etwas erlebt, hat das Bedürfnis, davon zu erzählen. Das geht schriftlich besonders gut. Aber das ist natürlich nicht der einzige Grund, beim Reisen ein Reisetagebuch zu führen. In diesem Blogartikel teile ich fünf Gründe mit euch, warum es Sinn macht, während des Reisens zu schreiben – auch wenn man sonst kein Tagebuch schreibt. 

Grund Nr.1: Dein Reisetagebuch hält das Neue fest

Einer der offensichtlichsten Gründe, ein Reisetagebuch zu führen, ist das Festhalten von all dem Neuen, dem man täglich begegnet. Du erlebst neue Dinge und triffst die unterschiedlichsten Menschen. Da macht es natürlich Sinn, diese Erlebnisse aufzuschreiben. Das Schreiben des Reisetagebuchs ist eine Erinnerungsstütze – wofür auch immer du sie später brauchst.

Ich selbst lese gerne meine alten Reiseberichte. Ich finde es spannend, wie ich die Welt wahrgenommen habe. Dabei stelle ich vor allem fest, wie ich mich während der Reise selbst und seitdem entwickelt habe.
Das Festhalten der  Reiseerlebnisse hat jedoch noch einen anderen wichtigen Grund: Ich sammele dadurch Rohmaterial für spätere biografische Texte, kreativer und literarischer Art.

An die großen Ereignisse erinnerst du dich meistens auch so. Was den Reiz des Aufschreibens ausmacht, ist, auch die kleinen  Erinnerungen zu behalten. Es sind die leisen und unaufdringlichen Details, die im Nachgang für Überraschungen sorgen – vorausgesetzt, sie wurden aufgeschrieben. Der Staub auf dem Ventilator eines indischen Nachtzugs und die damit einhergehende Frage, ob es besser ist, in der Hitze zu schlafen oder den Ventilator anzumachen und sich den Staub um die Ohren zu schmeißen. Der Geschmack des Mokkas in dem kleinen Café in Ankara, morgens um fünf nach der Ankunft in der Stadt, übermüdet aber glücklich. Das Gespräch mit einem Fremden vor dem Tempel auf der Straße.

Das Schreiben bringt dich dazu, dieses Unentdeckte aufzuschreiben.Und davor bringt es dich dazu, es wahrzunehmen. Je mehr du dich daran gewöhnst, über deine Erfahrungen zu schreiben, desto wachsamer wird dein Blick für deine Umgebung und die Menschen, denen du begegnest. Du beginnst, Dinge wahrzunehmen – in der reinen Vorfreude, darüber später schreiben zu können.

Diese bewusste Wahrnehmung ist ein hervorragendes Achtsamkeitstraining und führt mich zum zweiten Punkt dieser Liste.

 

Grund Nr.2: Schreiben ist deine Auszeit in der Auszeit

Wir wissen es alle: Urlaub ist nicht immer nur Enstpannung, sondern kann – je nach Urlaubsstil – ganz schön anstrengend sein. Du fütterst dein Gehirn den ganzen Tag mit neuen Eindrücken, musst ständig Entscheidungen über ganz alltägliche Dinge treffen (was wird gemacht, wo wird gegessen, wo geschlafen…) und hast möglicherweise auch für den Urlaub eine viel zu große ‚Must-Do‘ Liste angefertigt.

Das Schreiben eines Reisetagebuchs kann dir im Urlaub dabei helfen, kleine Auszeiten in deiner Urlaubsauszeit zu finden. Das funktioniert auf zweierlei Art: 

1. Du nimmst dir aktiv Zeit für dich selbst, z.B. am Abend oder am Morgen. Dabei besinnst du dich auf das Erlebte und auf dein Erleben des Erlebten. Das ist wertvolle Zeit, die dir hilft, in all dem Neuen einen vertrauten Ort zu entdecken und zu erhalten: einen Ort der Ruhe in dir.

2. Schreiben ist ein Achtsamkeitstraining. Schreiben und Achtsamkeit hängen eng miteinander zusammen. Beim Schreiben nimmst du dir eine Auszeit vom Tag – zeitgleich führt das Wissen um die alltägliche Schreibroutine auch dazu, dass du während des Tages deine Aufmerksamkeit auf Details und weniger Offensichtliches schärfst. Deine Wahrnehmung wird spezifischer und du gehst viel bewusster mit allem, was du erlebst, um.
Das betrifft sowohl das, was im Außen geschieht, als auch deine Gedanken und Gefühle, die eine Reaktion auf das Außen sind.

Grund Nr.3: Das Reisetagebuch ist ein Ort für deine Kreativität

Reisen ist ein Kreativitätsbooster. Und Kreativität will ausgelebt werden. Neben dem Aufschreiben des Erlebten und deinen inneren Vorgängen beim Reisen, bietet sich ein Reisetagebuch hervorragend dafür an, kreativ zu schreiben, z.B. in Form von kleinen Gedichten oder Kurzgeschichten oder Wortspielereien.

Aber was hat es mit der Behauptung ‚Reisen ist ein Kreativitätsbooster‘ auf sich?

In der Kreativitätsforschung konnte man herausfinden, dass das Gehirn besonders kreativ wirksam werden kann, wenn es mit Schemaverstößen konfrontiert ist.

 Einfach ausgedrückt: Wir denken alle gerne in bekannten Mustern – das hilft uns, die Welt zu verstehen und Erlebnisse einzuordnen. Auch Routinen sind ein Teil dieser Strategie. Beim Reisen werden sowohl unsere Denkmuster hinterfragt (z.B. wenn wir auf kulturelle Unterschiede treffen), als auch unsere Routinen ganz schön durcheinandergebracht. Beides bringt unser Gehirn dazu, in neuen Wegen zu denken. Das führt zu neuen Ideen, was wiederum unsere Kreativität ankurbelt. 

Und diese kann in deinem Reisetagebuch so richtig ausgelebt werden! 

 

Grund Nr.4: Nutze das Schreiben an fremden Orten als Inspiration

Wenn du schon öfters geschrieben hast, weißt du, dass der Ort, an dem du schreibst, sehr wohl deinen Schreibstil und -Inhalt beeinflusst.

Es macht einen Unterschied, ob du an deinem Schreibtisch, in gewohnter Umgebung schreibst, oder an einem fremden Ort, mit fremden Eindrücken und Sinnesreizen.

Ich selbst liebe es, verschiedene Orte zum Schreiben zu nutzen und zu schauen, was passiert. Das geht beim Reisen natürlich besonders gut.

Die bereits oben genannten Nachtzüge sind dabei einer meiner Favoriten. Aber auch Cafés auf belebten Plätzen. Und geschichtsträchtige Orte. 

Oder die Natur. Auf einer Klippe am Meer, das Rauschen als Hintergrundmusik. Im Wald, auf dem Boden sitzend, der Geruch nach Moos, Kiefern und Feuchtigkeit. Am See, in der Steppe, an einem Wasserfall… wo auch immer du reist, wirst du andere Naturerfahrungen machen als zuhause. Nutze sie, um dich inspirieren zu lassen in deinen Texten. Dabei ist es egal, ob du kreative Texte schreibst, oder einfach nur deinen Gedanken und deinem Innenleben folgst – dein Schreiben wird dich überraschen. 

Grund Nr.5: Halte deine Lernerfahrungen in deinem Reisetagebuch fest

Du lernst dich beim Reisen mehr als in anderen Situationen besonders schnell kennen. Vor allem, wenn du als Individualreisende*r unterwegs bist, wirst du täglich neue Entscheidungen treffen müssen. Dabei bist du mehr als sonst mit dir selbst konfrontiert.

Nutze das Reisetagebuch, um dich bei diesen Entscheidungen selbst zu reflektieren. Was fällt dir leicht, was fällt dir schwer? Wie leicht verlässt du deine Komfortzone? Und wenn dir etwas schwerfällt: Was ist der offensichtliche Grund dahinter? Und was ist der nicht ganz so offensichtliche Grund dahinter? Gibt es Überraschungen?

Auch besondere Gemütszustände oder Gedanken können beim Reisen festgehalten und ergründet werden. Die Frage ‚Wie fühle ich mich‘ gibt dir wertvolle Hinweise, ob deine Art zu Reisen gerade die Richtige für dich ist. Oder wie eigentlich deine eigene Meinung zu dieser einen Sehenswürdigkeit ist, von der alle so geschwärmt haben.

Deine eigenen Lernerfahrungen festzuhalten, kann dir auch beim Rückblick und dem erneuten lesen deiner Einträge helfen, zu sehen, wie du dich entwickelt hast. Die eigenen Entwicklung ist nämlich allzuoft etwas, das wir sonst gar nicht bemerken.

Fazit: Es gibt eine Reihe von guten Gründen, ein Reisetagebuch zu führen. Wenn du wissen willst, wie genau du nun beim Reisen ins Schreiben kommst und welche Methoden du nutzen kannst, dann abonniere am besten diesen Blog hier – in meinem nächsten Artikel wird es genau darum gehen!

Du hast keine Lust, bis zur nächsten Reise zu warten, bevor du über dich selbst schreibst? Dann kann ich dir meinen Minikurs ’21 Tage für Dich – Dein Einstieg ins Journaling‘ empfehlen – dort findest ausreichend Anleitung, über dich und deine Gefühle zu schreiben!

 

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