Warum ich die Zeit zwischen den Jahren schreibend verbringe

Was ist sie eigentlich, diese Zeit zwischen den Jahren? Jahrelang habe ich diese Formulierung in den Mund genommen, ohne wirklich darüber nachzudenken. Dabei ist es in unserer heutigen Gesellschaft sehr gängig, zumindest die Tage zwischen dem 24.12 und dem 31.12 so zu nennen, wenn nicht sogar die zwischen dem 24.12 und dem 6.1.
Es ist eine heilige Zeit, geprägt durch die heilige Nacht des Heiligabends und endend mit der Nacht der Wunder und den heiligen drei Königen.
Die Geschichten und Legenden, um die es in dieser Zeit geht, wurden uns überliefert. Sie haben die begrenzte Zeit einzelner Generationen überdauert und wurden zum Mythos vergangener Zeit, an die heutige Zeit angepasst, modernisiert und teilweise vermarktet.

Es ist die Zeit, die aus der Zeit gefallen ist. Zwischen einem germanischen Mondjahr mit 354 und einem Sonnenjahr mit 365 Tagen. Nicht dazugehörig und somit offen für alles. Die irdischen Gesetze haben keine Gültigkeit mehr und der Schleier zur Anderswelt ist geöffnet und gewähren Einblicke in Übersinnliches, Ungewöhnliches, heißt es. Farkasch* schreibt dazu: „Die Tage zwischen Mond und Sonnenrhythmus eröffnen einen Freiraum, währenddessen Zeit war, auszuruhen, sich satt zu essen, miteinander zu sein, gemeinsam zu musizieren und Geschichten auszutauschen.“
Courtenay* bezeichnet es als eine Zeit des Rückzugs und der Stille, um wieder aufmerksamer und achtsamer zu werden und uns für die größeren Zusammenhänge in der Natur un der gesamten Schöpfung zu öffnen. Für Deiß* ist es eine Zeit, die Kreativität und Leidenschaft weckt, sowie die Intuition schärft.

Ich persönlich bin überwältigt von der Fülle dieser Themen, die diese Tage und Nächte mit sich bringen. Ich fühle mich selber zeitreisend, zwischen Aberglaube und Modernisierung, zwischen Wissenschaft und Mythen. Die alten Geschichten rühren eine sehnsuchtsvolle Seite in mir an. Und machen den Wunsch lebendig, inmitten dieser schnell gewordenen Welt, ein Stückchen Mythos und Zauber zu hinterlassen.
Also lasse ich diese Themen zu meinen Themen werden. Ich schreibe, um den Überlieferungen der Ahnen Respekt zu zollen. Schreibend kann ich achtsam und kreativ sein, schreibend kann ich in mich hineinhören.
Und schreibend kann ich entdecken, was in mir verborgen ist an Geschichten und Ideen. Ich schreibe alleine und ich schreibe in Gesellschaft, erzähle Geschichten. Nicht am Lagerfeuer, aber zumindest in meiner Facebookgruppe Rauhnacht-Schreiben. Und während ich schreibe, beruhigt sich mein Geist.

Es ist eine Ruhezeit. Vergleichbar mit der kurzen Pause zwischen zwei Atemzügen, so Courtenay. Mit einem Zitat von ihr möchte ich enden:
„Die Pause gehört dazu, sie ist Teil des Ganzen, Teil des ewigen Werdens und Vergehens. Mit dem Ausatmen wird das Alte losgelassen, doch bevor der neue Atem beginnen kann, ist es wie ‚die Zeit zwischen den Jahren'“
In dieser Stille schreibe ich weiter, aber das Schreiben verändert sich, ist in einem Zwischenstadium. Und geht im neuen Jahr energiegeladen und regeneriert weiter.

*Quellen zu den Hintergründen der Rauhnächte:
Isabella Farkasch ‚Rauhnächte – Über Wünsche, Mythen und Bräuche. Märchen für Erwachsene‘.
Elfie Courtenay ‚Rauhnächte – Die geheimnisvolle Zeit zwischen den Jahren‘
Caroline Deiß ‚Geheimnisvolle Rauhnächte‘
ArsEdition: Die Magie DER RAUHNÄCHTE

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