Das Zusammenspiel von Kultur und Gesundheit

Diesen Beitrag schreibe ich als kleine Werbung für eine Aktion vom Schreibsalon Berlin, die mir sehr am Herzen liegt.
Es geht um das Thema ‚Kultur und Gesundheit‘ – genauer gesagt um den Zusammenhang zwischen den beiden Themen. Und dafür sammeln wir vom Schreibsalon Geschichten. Eure Geschichten. Sämtliche Erlebnisse, in denen ihr erfahren habt, dass ein bestimmes Lied oder Buch oder Theaterstück oder ein Museumsbesuch u.v.m. euch in eurem Leben zum positiven hin geprägt und verändert hat, sind willkommen. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Schreibsalon-Homepage unter https://schreibsalonberlin.de/portfolio/kultur-als-lebenselixir/ , auch die ersten veröffentlichten Beiträge finden sich schon dort.

Warum ist mir das Thema so wichtig?

Ich bin Musiktherapeutin (u.a.). In vielen Jahren der Anstellung in diversen Kliniken habe ich mit sehr vielen verschiedenen Menschen kreativtherapeutisch gearbeitet. Es ging immer um die Frage: Welcher Aspekt der Musik (und es gibt unendlich viele Aspekte…) kann bei welchem Bedürfnis oder welcher Problematik helfen?
Ich habe erlebt, dass eine 90jährige Dame, die seit zehn Jahren kaum ein Wort gesprochen hat, bei den ersten Zeilen von ‚Wenn alle Brünnlein fließen‘ miteinstimmt, um dann alle vier Strophen fehlerfrei weiterzusingen.
Ich habe Begegnungen mit Wachkomapatienten erlebt, deren Atemrhythmus sich bei einer auf ihren Puls abgestimmten Improvisation, reguliert und beruhigt hat.
Ich habe erlebt, wie Emotionen gelöst werden konnten, durch die simple Erinnerung an und Arbeit mit Musik aus der Jugend und wie ein Mensch, der nach einem schweren Schädel-Hirntrauma nur noch das Wort ‚Nein‘ formulieren konnte und voller Wut war, nach ein paar Wochen die ersten Zeilen von Bruder Jakob mitsingen konnte – und wollte.
Ich konnte einen kleinen 3-jährigen Jungen mit der Diagnose ‚Frühkindlicher Autismus‘ dabei zuhören, wie er nach mehreren Monaten das erste Mal eine spezifische Reaktion auf einen musikalischen Impuls von mir geben konnte.
Und ich konnte durch die Strukturgebung des gemeinsamen Improvisierens eine kleine Therapiegruppe von Kindern mit der Diagnose ADHS dazu bringen, (halbwegs) geordnet und aufeinander hörend, Musik zu machen.

Die Liste könnte noch endlos weitergehen. Aber vielleicht erklären auch diese paar Beispiele schon, warum ich so eine Faszination für das Thema ‚Kreativer Ausdruck und Gesundheit‘ hege – oder weiter gefasst ‚Kultur und Gesundheit‘.
Denn ich weiß, dass jeder Kunst-, Tanz-, und Schreibtherapeut ähnliche Geschichten zu erzählen hat. Und eigentlich hat die jeder Mensch zu erzählen – genau deswegen haben wir das Projekt ‚Kultur als Lebenselixier‘ gegründet.

Ich interessiere mich sehr für eure Geschichten, Episoden und Anekdoten und würde mich unglaublich freuen, wenn noch mehr Menschen mir von ihrem ganz persönlichen, kulturell geprägtem, Gesundheitselixier erzählen würden – über Email oder Telefon oder als Kommentar zu diesem Blog…

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