Inspiriert durch(s) Leben – Praktische Tipps für gute Einfälle

Wie ich in meinem letzten Eintrag beschrieben habe, sind die beiden Elemente ‚Wahrnehmung‘ und ‚Tagträumen‘ elementar für Menschen, die auf der Suche nach Inspiration sind – sei es fürs Schreiben, Komponieren oder den sonstigen künstlerischen Ausdruck.
Das Gehirn braucht die Reize der Umwelt und es braucht die nötige Zeit, um diese zu verarbeiten und in einer inneren Welt neue Verbindungen selbiger zu schaffen.

Aber was genau kann ich tun, um beide Elemente in meinem Alltag zu fördern und zu integrieren?

Was es heißt, mit allen Sinnen wahrzunehmen

Normalerweise fokussieren wir uns sehr stark auf unseren visuellen Sinn. Wir betrachten die Welt um uns herum hauptsächlich mit unseren Augen und hauptsächlich oberflächlich. Nur wenn wir uns die Zeit nehmen, genauer hinzuschauen, sehen wir Details, die uns vorher nicht aufgefallen sind. Das Gänseblümchen im Haar des kleinen Kindes, das auf dem Spielplatz spielt z.b. Oder der Fleck auf einem Vorhang in der Zahnarztpraxis.
Wir haben aber noch sehr viel mehr Sinne, als unseren Sehsinn. Deswegen sollten wir uns auch folgende Fragen stellen:
Was höre ich, wenn ich draußen unterwegs bin? Was sind die Klänge der Stadt? Oder der Natur?
Wie fühlt sich der Wind auf meinem Ohrläppchen an? Und welcher Geschmack bleibt, nach einem Schluck Waldmeisterlimonade? Welche Gerüche beinhaltet ein Ausflug in den Wald? Oder in die Fußgängerzone? Und was spüre ich, wenn ich meine Hand über einen Marmortisch gleiten lasse?
Dann gibt es die noch weniger bekannten Sinne. Der Bewegungssinn und der Gleichgewischtssinn. In der ganzheitlichen Medizin ist u.a. die Rede vom Sprach- und Wortsinn, vom Gedankensinn, vom Ich/Du-Sinn, welche zu ganz anderen, introspektiven Fragen führen können. Wie bewege ich mich in der Welt? Wie fühlt sich mein Körper an, wenn ich auf einer Hochhausdachterrasse stehe? Und wie, wenn ich auf dem Boden krieche und etwas suche?

Wahrnehmungsspaziergang statt Hetzen

Es bietet sich durchaus an, die alte Sitte des Flanierens wieder aufleben zu lassen. Ein entspannter Spaziergang durch die Stadt oder durch das Dorf und einfach nur beobachten, was passiert. Oder den Fokus dabei auf die Menschen legen, die einem begegnen. Wie verhalten sie sich? Wie ist ihre Körpersprache? Welche Kleidung tragen sie?
Ich selber habe eine Hündin, die – wenn man sie lässt – an ungefähr jedem dritten Grashalm stehen bleibt, um zu schnüffeln. Wenn ich die Muße dazu habe, nutze ich diese Momente für Wahrnehmungsmomentaufnahmen. Wo bin ich gerade? Was sehe ich? Was fühle ich? usw…

Tagträumen im Alltag

Diese Phase, die die Schriftstellerin Nathalie Goldberg die Phase des Kompostierens des Wahrgenommenen nennt, ist etwas, dem wir im heutigen modernen Alltagsleben nur noch wenig Platz einräumen. Wir tendieren dazu, uns dieses Nichtstun gar nicht mehr zu erlauben. Wir lesen oder hören Musik oder schauen auf unser Smartphone während wir in der U-Bahn sitzen. Wir sind Meister des Multitaskings. Darauf aktiv zu verzichten, würde aber bedeuten, dass wir unserem Gehirn die Zeit geben, die es braucht, um aus der inneren geschaffenen Welt, neue Impulse zu erarbeiten. Hier nun ein paar Möglichkeiten, dies im täglichen Leben aktiv auszuprobieren:

  •  Verzichte auf Smartphone, Buch oder sonstigen Ablenkungen, wenn du in den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bist
  • Nimm dir Zeit, morgens und/oder abends 15-20min zu meditieren
  • Verzichte darauf, Musik zu hören, wenn du Sport machst
  • Höre stattdessen bewusst Musik – gerne auch mal rein instrumentale, um nicht von Text abgelenkt zu werden
  • Verzichte ab und an auf Multitasking, v.a. bei routinierten Tätigkeiten, wie putzen, kochen, Auto fahren etc.
  • Suche dir meditative Hobbies, wie z.b. Gartenarbeit, Malen, (ja, auch Mandalas ausmalen hilft hervorragend beim abschalten!), Spaziergänge mit dem Hund…
  • Trinke in Ruhe eine Tasse Tee oder Kaffee oder goldene Milch und widerstehe dem Impuls, währenddessen etwas anderes zu machen
  • Schaffe dir kleine Routinen und Rituale im Alltag, um nicht ständig über Abläufe nachdenken zu müssen

Ein sehr positiver Nebeneffekt von all diesen kleinen Übungen ist, dass es auch gleichtzeitig Übungen der Achtsamkeit und des bewussten Lebens sind. Wir tun damit also etwas für unsere Gesundheit und für unsere Kreativität…

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